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Laudatio von Silke Dormann
zur Vernissage von Annemarie Waibel am 7.11.2025
in der Galerie Angomaringo in Aarau
Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde, willkommen im Land der Farben und Formen! Begrüsst wurden wir im Eingang von der farbigen Orangerie, Blüten und Frauen empfangen uns, und auch die Musikerinnen sind heute mit Blüten geschmückt. Wir sehen Skulpturen, mithilfe von Sand geformt, oder einer Tonmasse, sie sind durchs Feuer gegangen, werden mit kaltem Wasser abgeschreckt. Und werden handwerklich sorgsam so gegründet, dass sie einen Stand haben -oder zu schweben scheinen. Viele Arbeitsschritte nach der ersten Vision, der ersten Idee von der Künstlerin Annemarie Waibel. Und die Bilder, oft ausgehend von Aktzeichnungen: auch sie gehen durch mehrere kreative und technische Prozesse,
bis sie fertig sind. Bis Annemarie sagt: so ist es gut.
Wir sehen die Kunstwerke, Immer steht eine Frau da, liegt, tanzt, und schaut die Betrachtende an, wie wenn sie sagt: Du bist schön, du bist eine Pflanze, schön wie die Blumen verletzlich. Manchmal blutest du, von Verletzungen, oder als eine, die Kinder gebären kann, dein Blut ist kostbar. Dein Leben unverwechselbar. Du bist die Meisterin in deinem Lebensgarten, den Göttinnen ähnlich oder den Engelwesen.
Wild weich wunderhaft weiblich Frausein ist kein Zustand, es ist ein Universum,
- so der Titel der Ausstellung: Versteck dich nicht!
Meine Damen und Herren, Willkommen im Universum des Frauseins! Herzlich willkommen in der Galerie Angomaringo, wo ich heute die Ehre habe, Sie zu begrüssen zur Ausstellung mit Bildern und Skulpturen von Annemarie Waibel.
Mein Name ist Silke Dohrmann, ich bin eine Künstlerkollegin und Freundin.
An den Frauen kommen wir nicht vorbei weder im wirklichen Leben noch in der Kunst von Annemarie. Was vorher rein männliches Terrain schien, erobern sie, die Skulpturen und Bilder von Frauen-Wesen. Annemarie Waibels erstes Werk als 17-Jährige zeigt schon die Richtung auf, in die es gehen soll: Sie gestaltet einen Tonkopf, der an einen ägyptischen König erinnert, doch es ist eine Frau, jung, würdevoll und stolz, eine Königin oder Prinzessin in ihrem Reich. In diese Richtung ging es später weiter nach den Vorbildern ägyptischer religiöser Kunstwerke, die mit und durch Annemarie die Transformation wagen zu mehr sichtbarer Weiblichkeit. Denn: wo war noch vor 60 Jahren das Weibliche in der Kunst? Wo waren die Frauen, die nicht nur dekorativ dargestellt wurden, sondern als Gegenüber, und wie ging es den Künstlerinnen? Wie waren ihre Arbeitsbedingungen? Ich habe ein Gedicht von Mascha Kaleko gefunden:
«die Leistung der frau in der kultur» Mascha Kaleko, S131
Auf eine Rundfrage
Zu deutsch: «Die klägliche Leistung der Frau».
Meine Herren, wir sind im Bilde.
Nun, Wagner hatte seine Cosima
Und Heine seine Mathilde.
Die Herren vom Fach haben allemal
Einen vorwiegend weiblichen Schatz.
Was uns Frauen fehlt, ist «Des Künstlers Frau»
Oder gleichwertiger Ersatz.
Mag sie auch keine Venus sein
Mit lieblichem Rosenmund,
So tippt sie die Manuskripte doch fein
Und kocht im Hintergrund.
Und gleicht sie auch nicht Ratendelein
Im wallenden Lockenhaar,
So macht sie doch täglich die Zimmer rein
Und kassiert das Honorar.
Wenn William Shakespeare fleissig schrieb
An seinen Königsdramen,
Ward er fast nice heimgesucht
Vom «Bund Belesener Damen».
Wenn Siegfried seine Lanze zog,
Don Carlos seinen Degen,
Erging nur selten an ihn der Ruf,
Den Säugling trockenzulegen.
Petracas Seele, weltentrückt,
Ging ans Sonette-Stutzen
Ganz unbeschwert von Pflichten, wie
Etwa Gemüseputzen.
Doch schlug es Mittag, kam auch er,
Um seinen Kohl zu essen,
Beziehungsweise das Aequivalent
In römischen Delikatessen.
Gerne schriebe ich weiter
In dieser Manier,
Doch muss ich, wie stets,
Unterbrechen.
Mich ruft mein Gemahl.
Er wünscht, mit mir
Sein nächstes Konzert
Zu besprechen.
Mascha Kaleko: Mein Lied geht weiter Hundert Gedichte DTV 2009 S. 131f
Ein Mädchen kann das nicht? Nein! Alles ist möglich, wenn du eine Vision hast.
Dann können auch den jahrtausendealten Skulpturen von Anubis Brüste wachsen, unter der Hand der Künstlerin. Neue Bilder sehen wir von Annemarie Waibel:
Wild, weich, wunderhaft weiblich. Die Spannbreite der Darstellungen ist gross.
Strenge Formen, klar und konzentriert, neben engelähnlichen Wesen, die geerdet sind, aber zu schweben scheinen neben einem zeichnerisch angedeuteten Frauenleib im Blütenmeer. Sie schauen dich an: - Auch das bist du!
Wir sehen und erleben die Begegnung von nackten Körpern, jedes für sich,
in einer Stimmung von Nähe und gleichzeitig ein Für-Sich–Sein. Lauschende Seelen, Gemeinsamkeit und Intimität, letztlich jedes für sich, aber nicht allein.
Im Zuge deiner Verweiblichung auch der Kunst, liebe Annemarie, hast ein du Gegenbild kreiert zum Werk von Michelangelo mit der Erschaffung Evas durch den weiblich dargestellten Schöpfergeist. Die biblische Geschichte wurde ja gern für die vom Himmel gerechtfertigte Grundlage der Dominanz des Mannes herangezogen, dass halt der Mann das erste Wesen war auf Erden. Und Gott wurde gern männlich gedacht. Nach dem Motto: weil Gott männlich ist, ist alles Männliche göttlich, wie die feministische Theologin Mary Daily in den 80er Jahren provozierte. Und du sagst mit deinem Werk: Wir Frauen sind auch da! Beatmet von einer weiblichen Schöpferkraft. -
Wir sehen in deinen Bildern das Menschliche, eingebettet in die Natur, die Blumen,
die sich zu vereinigen scheinen mit den anderen weiblichen Menschen-Blumen.
Und manchmal entdecken wir noch einen Vogel, den Upupa, den Wiedehopf, den wir hier in der Schweiz kaum noch zu sehen bekommen, weil er sehr anspruchsvoll ist, er gehört zu den bedrohten Arten. Schön, dass er, der Langstreckenflieger, für einen Moment verweilt in den Bildern von Annemarie und die Frauen auf den Bildern offensichtlich inspririert, ihm ähnlich zu werden. Eine Begegnung zwischen den Kreaturen. Dort finden wir das Bild mit dem Titel: Upupa: oder: «Die Frauen haben einen Vogel» Stimmt! - Wir Frauen haben einen Vogel, der uns die Flügel verleiht,
der uns hinaufhebt in eine andere Sichtweise und uns hoffentlich Leichtigkeit und Kreativität schenkt. Das wir nicht hereinfallen auf Schwarzweissmalereien und faschistoiden Verführungen, sondern die Welt mitgestalten mit all unserer Kraft und Phantasie, in Solidarität und Mitgefühl, in Verbindung mit allem, was lebt.
Annemarie ist nicht nur Künstlerin, sondern auch eine passionierte Gärtnerin.
In ihrem Garten korrespondieren ihr vielfältigen Skulpturen mit den Pflanzen.
Alles ist ein Wunder. Alles gehört zusammen, alles will wachsen, strebt nach Licht.
Wild- Weich- wunderhaft weiblich. Frausein ist kein Zustand,- es ist ein Universum.
In dieser Ausstellung ahnen wir etwas davon, welches Universum gemeint ist:
Das Universum der Möglichkeiten, der Talente, der Schwesterlichkeit. Wir sehen in den Bildern und Skulpturen Gesichter, die einen nicht loslassen, wie die Frauen in Blüte, die 3 Frauen, die uns zu sagen scheinen: komm aus deinem Schneckenhaus,
wag dich ins wirkliche Leben! Lass dich nicht ruhigstellen mit Konsum und Wellness. Die Welt braucht dich - richte dich auf, geh los. Bequem wird es nicht, aber
es lohnt sich! Frauen, die sich in Blüten zeigen, selbst in voller Blüte, sie locken uns, ebenso zu blühen.
Rosa Amanda swingt heisst dieses Bild: Die Rose mit Namen Rosa Amanda ist eine gelbe gefüllte duftende Rose Sie hat sich in eine Frau verwandelt. Duftend, leicht swingend: Der Tanz der Blütenfrau im Wind
Noch eine Pflanze ist hier dargestellt - transformiert zu einem anderen Lebewesen:
Floressa Sensuosa (Mimose) Zart, aber winterhart, zittert bei jedem Windhauch, jeder Berührung. Ihr Duft ist blumig und süß wie Honig und pudrig und weich.
Man sagt: „empfindlich wie eine Mimose“ – oft abwertend - wenn jemand sehr sensibel, und dünnhäutig ist. Der Ursprung liegt in der Pflanze Floressa Sensuosa,
die bei Berührung ihre Blätter schnell zusammenklappt und sich erst allmählich wieder öffnet, eine extrem empfindliche Reaktion. So sensitiv sind können Pflanzen und Menschen sein. So viel Zeit brauchen Menschen manchmal miteinander,
dass das Gegenüber sich wieder öffnet.
Wir sehen die Skulptur Jungfer im Grünen. Die Frau ruht, über ihre Beine gebeugt,
woran mag sie denken? Nichts. Spüren, Da-Sein, Herzhören, Gedanken ziehen lassen. Einfach da sein mit Leib, Seele und Geist, wenn sich das überhaupt trennen lässt. Sie hat es warm. Vielleicht scheint die Sonne auf ihren Rücken. Sie schützt sich und ihre Gefühle, ihre Erinnerungen. Lässt vielleicht Tränen fliessen auf ihre Beine.
Bis sie wieder aufstehen mag, gestärkt, bereit für den Alltag irgendwie.
Oder sie ruht im Grünen, unsere Jungfer benannt nach einem Hahnenfussgewächs, verwandt mit dem Schwarzkümmel, in grossen Dosen giftig. Sie sitzt auf der Wiese,
wahrscheinlich vor Blicken geschützt und freut sich an der Musse. Einmal nichts tun und den Gedanken freien Lauf lassen. Mit ihrem Leib ist sie einfach da, scheinbar passiv, aber sehr präsent.
Dort ist die Skulptur Stille (Die) Stille
Dazu noch ein Vers von Mascha Kaleko
Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es. (S.147)
Und jetzt kommen wir wieder in die Bewegung, die Frauenbewegung :)
Neuländerin Ihr beweglicher starker Körper bildet eine Brücke, ihr Kopf, die Hände und ein Fuss tragen sie, aber sie scheint zu schweben. Vielleicht bildet sie die Brücke zum Neuland? Neuland – was stellst du dir darunter vor? Wagst auch du es, Neuland zu betreten?
Skulptur Höhenfliegerin Neulich führte mich mein Spazierweg am Spielplatz vorbei, eine ca. 11-Jährige mit langen Haaren schaukelte weltvergessen und kraftvoll mit Kopfhörer. Nach 20 Minuten auf dem Rückweg - schaukelt sie immer noch. Beneidenswert. Bis zur Sonne, sagt Annemarie, bis du fliegst!
Skulptur Tanz Aneinandergeschmiegt eingetaucht in die Musik und die Magie des Tanzes; so sehen wir dieses Paar aus Bronze, wo auch hier das harte Material zarteste Bewegung darstellt. Durch die zarte starke Hand der Künstlerin.
Skulptur Sylphide Bronze Marmor-Sockel Sylphide, die Illusion von Schwerelosigkeit und Leichtigkeit, Sylphide, der Ballettklassiker von 1830 verhalf dem Spitzentanz und dem Tütü zum Durchbruch. Wir sehen auch in der Bronzefigur von Annemarie Waibel die scheinbare Ueberwindung der Schwerkraft - Wir wissen: durch harte Arbeit! Die Luftgeister schweben! Es war schon immer ein Traum von Menschen, leicht zu werden wie eine Feder und die Erdenschwere zu überwinden.
Equa Skulptur Voller Anmut scheint die Frau fast über dem Pferd zu schweben,
Mensch und Tier sind wie eins, aufeinander bezogen, eingespielt. Wunderbar.
Wenn ich diese Leichtigkeit in meinem Leben auch körperlich nicht mehr erreichen werde (sehr wahrscheinlich), so kann mein Geist doch leichter werden in der Betrachtung dieser Skulptur. und meine Schritte leichter in die Richtung, wo unsere Menschheitsvision mich braucht.
Vergänglichkeit
pinke Haare, eine goldene Corsage, seitlich geneigter Kopf.
Ja, es kann schnell vorbei sein mit dem, was uns jetzt wichtig erscheint. Deshalb: hüte das, was für Mensch und Tier, für die Natur und die Mitkreatur existenziell ist, sei wachsam!
Wächterin
Sie hockt und schaut. Fest verwurzelt, kein Fähnchen im Wind, das sich den jeweiligen Meinungen anpasst. Sie hütet das, was ihr heilig ist. Was vielleicht auch schon ihrer Grossmutter heilig war. Worüber wacht sie besonders aufmerksam?
Jedenfalls auf ihre schützende Wachsamkeit kannst du dich verlassen.
Wächterinnen sind auch die Pussyhats, die schon von der Strasse her die Menschen in die Galerie locken. «Sie sind mehr als Mützen, sie sind die Inkarnation von Protest in Pink, gestrickte Statements mit Katzenohren, süss, rebellisch und verdammt politisch», wie Annemarie schreibt – und weiter hören wir die Künstlerin: «Die Mütze als Krone, Pussy, die Vulva, auf dem Kopf? Die Katze mit Krallen. Provokation? Mit Augenzwinkern. Ursprünglich inspiriert von den mutigen Aktionen der russischen «Pussy Riot», einer Gruppe russischer Aktivistinnen.
Und die Pussyhats von Annemarie Waibel? Sie verkörpern den Spirit kollektiver Aktion – lautlos, aber mit offenem Mund. Ein pinkfarbener Aufstand in Strick. Eine stumme, aber kraftvolle Demonstration: Je sichtbarer wir sind, desto besser wird unsere Stimme gehört.» So der Text von Annemarie.
Zu dieser Wildheit und dem Mut, sichtbar und angreifbar zu werden,
gehört auch Vertrautheit mit Gleichgesinnten.
Mit der Skulptur der 3 jungen Fauen :Vertrautheit möchte ich enden.
Drei junge Frauen, die Köpfe zueinandergeneigt. es braucht nicht viele Worte.
Keine Konkurrenz, die Frage, wer von ihnen die Beste ist, ist ja sowieso kabbes.
Wir sind sehr verschieden geprägte Wesen, die einander gut ergänzen können.
Jedes Leben ist einzigartig, voller Chancen und Scheitern. Sie sind zusammen unterwegs, und mal geht die eine voran, mal die andere, die zu neuen Zielen lockt und hilft, dass Träume nicht Träume bleiben. Und dass die andere wieder aufstehen kann. Schwesterlichkeit, Freundschaft, miteinander füreinander einstehen, aneinander wachsen. Ein wichtiges Bild für uns. So soll es sein!
Das war meine kleine Reise durch die Galerie Angomaringo, ich hoffe, ihr macht eure eigenen Entdeckungen und habt Freude an den vielfältigen Kunstwerken von Annemarie Waibel!
Ich wünsche uns noch einen schönen Abend!
Silke Dormann
Gedicht von Monika Egli-Schärer
zu "Die Wächterin"

Still
sitzt
die Hüterin der Liebe.
Ruft nicht.
Moosumgrünt
ihre Hände im offenen Schoss,
umfangen mein dunkles Herz
mit samtener Kraft.
Wie lang noch die Zeit,
da ihr Lied mir
wie Rätselwort klingt:
„Unverlierbar sind die,
die du liebst.“?
Gedanken von Prof. Wolfgang Schmid, Stuttgart
zu "Die Engelin"
Künstlerisches Denken als solches zeichnet sich von allen Arten und Weisen zu denken durch Ganzheitlichkeit aus. Ganzheitlich bedeutet, dass alle Aspekte des Vorscheins von etwas berücksichtigt werden, und ein Phänomen in seinem Zusammenhang geschaut wird.
Während religiöses, geistes- oder naturwissenschaftliches Denken den Denkenden Gedanken vorgibt, verlangt künstlerisches Denken, sich selbst Gedanken zu machen.
Künstlerische Denken scheint vor allem durch Spielarten des Greifens hervor. Künstlerische Gedanken sind wortwörtlich handgreiflich. Sie vollziehen sich unmittelbar sinnlich vernembar allein durch das Schaffen.
Das künstlerisch ins Werk Gesetzte, versetzt Betrachten in das Wahrnehmen einer schöpferisch offenbaren Welt. Das wird sehr deutlich, sobald man die Webseite der Skulpturen der Künstlerin Annemarie Waibel öffnet.
Eine goldfarbene Skulptur entspringt gleichsam ihrem dunklen Hintergrund. Aber diese Erscheinung verweilt nicht, sondern entschwebt dank ihrer befügelten Arme sogleich in die Höhe.
Der kontemplativ versunkene Blick der nackten Frau wirkt gleichsam als Schutz, weil er den Blick nicht festhält, sondern vielmehr auffordert, der Blickrichtung der engelgleichen Frau zu folgen.
Das Kunstwerk "Die Engelin" thematisiert wortlos das, was die Skulpturen von Annemarie Waibel insgesamt thematisieren:
die Mächtigkeit des Schöpferischen weiblicher Schönheit. Das köperhafte Objekt verflüchtigt sich durch diese Skulptur gleichsam in der Idee schöpferisch kraftvoller Weiblichkeit.
Als Kunstwerk verweist die Skulptur zurück auf die Künstlerin als dessen Urspung. Der Spruch, dass ein Werk den Meister lobe, verdeutlicht, dass erst das Werk die es Schaffende als Künstlerin hervorscheinen lässt.
Die gen Himmel schwebende Figur lässt keinen Zweifel daran, was sie zu offenbaren beabsichtigt. Die hier ins Werk gesetzte Wahrheit offenbart sich in Platons Sinn als Idee. Die Betrachtung träumt sich in den Flug des engelgleichen Wesens hinein und verlässt mit ihm die Physis des Bildhauerischen hinein in das Metaphysische des künstlerisch Angedeutetem.
Das ist kein leichter Weg. Die Schwere der Flügel droht die sanfte Gestalt niederzuhalten. Die Überwindung der Schwerkraft verdankt sich ihrem starken Willen, die Enge erdenhafter Existenz zu überwinden.
Fast erscheint es so, als ob eine Vision den goldfarbenen Engel trägt.